„bunt und warm“ gegen „kalt und grau“

bunt und warm:
Unsere Urlaubsziele suchen wir vorwiegend nach den Kriterien „Sonnig“, „warmes Wasser“ (Meer), „intakte Unterwasserwelt“ (viele bunte und/oder große Fische), „angenehme Unterkunft“ und „gutes Essen“ aus. Jeder kennt die Ziele wie z.B. Ägypten oder den Malediven mit Ihrer farbenprächtigen Unterwasserwelt und hat entsprechende Bilder in Erinnerung.

grau und kalt:
Unsere Tauchgewässer in Deutschland fallen oberflächlich betrachtet erst einmal unter „grau und kalt“.  Wie gesagt oberflächlich betrachtet.
Der Urlaubstaucher der vorwiegend im Meer taucht, oder auch der Gelegenheitstaucher der ab und zu auch mal im Baggersee tauchen geht wird das u. U. so empfinden.

Nach 33 Jahren Taucherfahrung, erworben in Sommer- und auch Wintertauchgängen, möchte ich hier von meinen Eindrücken zum Thema „Süßwasser – grau und kalt“ berichten.

Das, was wir beim Tauchen im Meer erleben, kann nicht so einfach für das Tauchen in heimischen Gewässern übernommen werden. Werden wir beim abtauchen im Meer schon allein von der Umgebung mit seinen Lebewesen (je nachdem wo wir abtauchen) schier überwältigt, so hält sich dieser Eindruck im Süßwasser doch eher in Grenzen.

Mit der Zeit lernt der Taucher seinen Blick im Süßwasser anders zu focussieren. Vor allem das Tauchen über die einzelnen Jahreszeiten hinweg, ermöglicht erst den korrekten Eindruck über ein Gewässer zu bekommen.

Wo man hinschauen muss und wo es etwas interessantes zu sehen gibt, dass kann man in verschiedenen Fortbildungskursen lernen und durch Tauchgänge mit anschließender Nachbesprechung oder Untersuchung von mitgebrachten Proben untermauern.

Wer einmal konsequent die 4 Jahreszeiten in ein und demselben Gewässer erlebt hat, der ist vom Süßwasser mindestens genau so fasziniert wie von (bunt und warm) Tauchgängen im Meer.

OK, hier geht es um meine Eindrücke die ich in den letzten 16 Jahren im Laacher See in Leverkusen Hitdorf gewinnen durfte. Ich werde versuchen aus ca. 60000 Bildern der letzten 9 Jahre (länger fotografiere ich noch nicht unter Wasser) meine Eindrücke rüber zu bringen. Damit kein falscher Eindruck entsteht, die Bilder sind nicht… oder nur geringfügig nachbearbeitet. Es mag den Anschein haben das einige Bilder eingefärbt sind – das ist nicht der Fall. Der See zeigt zu verschiedenen Jahreszeiten wirklich diese beeindruckende Farbenvielfalt die in meinen Fotos zu sehen sind.

Beginnen möchte ich mit dem Monat Januar.

Januar ist ein kalter Monat… nicht nur über sondern auch unter Wasser. Das triese grau der Wintermonate findet sich auch Unterwasser wieder. Aber manchmal hat man Glück und wenn der Job es zulässt kann man zu einer Tageszeit abtauchen die auch noch etwas von der Wintersonne in unser Tauchgewässer sendet.

Licht ist schlichtweg der Faktor, der darüber entscheidet ob man einen Tauchgang positiv empfindet oder eher weniger positv. Einem trüben Tauchgewässer kann man bei Sonneneinstrahlung noch den einen oder anderen netten Eindruck abgewinnen wobei bei bedecktem Himmel dann eher der Eindruck „dunkel und kalt“ überwiegt.

Neben den wenigen Pflanzen die noch „stehen“ gibt es kaum etwas wo man Leben vermuten könnte. Selbst im „Makro“ Bereich  wird man selten fündig.

Scheint die Sonne und man hat einen Tag erwischt, an dem das Wasser glasklar ist, dann sind excellente Sichtweiten im See und man kann die „Unterwasserlandschaft“ genießen. Jetzt ist die Zeit um sich ein Bild von der Topografie des Tauchgewässers zu machen. Man entdeckt in dieser Zeit Stellen die man sonst wahrscheinlich zufällig oder nie gesehen hätte. Richtige Berge und Täler kann man „durchschweben“. Man entdeckt Kiesabbrüche, „Berggipfel“ mit wirklich großen Muscheln und wahrscheinlich die Rückzugsmöglichkeiten der Fische die einem sonst verborgen bleiben.

Leider zeigen die Wassertemperaturen die Grenze für den Tauchgang. Selbst Trockentaucher sind hier selten länger als 60 Minuten unter Wasser.

Bei einem dieser Tauchgänge sind wir bei schlechter Sicht (1-5 Meter) am Nord-Westufer entlang getaucht.  Wie der Zufall es will, entdecke ich einen einsamen kleinen Barsch der an einer Wasserpest (eine der wenigen Pflanzen die auch in den Wintermonaten nicht ganz „umfallen“) seinen Winter-Ruheplatz gefunden hat. Meine beiden Tauchpartner im „Nebel“ lassen die bescheidenen Sichtverhältnisse erahnen.

Barsch im Scheinwerfer
Neujahrstauchgang 

Im Februar/März ist der Winter unter Wasser dann auch angekommen. Seltener ist es, dass dann auch die Temperaturen längere Zeit unter Null Grad bleiben und der See richtig zufriert. In den letzten 10 Jahren war das zwei Mal der Fall. Wie schön die Natur sich dann „eingepackt“ in Eis und Schnee zeigt versuche ich mit den folgenden Bildern zu zeigen.

                       LaSee im Winter

Wenn das Eis dann geschmolzen ist, die Temperaturen über der Null-Grad-Grenze liegen, dann ist meißt auch die Zeit der Frühjahrsstürme. Für den See eine wichtige Zeit. Jetzt wird der See bzw. das Wasser umgewälzt. Sauerstoffreiches Oberflächenwasser gelangt in die tieferen Bereiche um sich dort mit dem Sauerstoffarmen Tiefenwasser zu vermischen. Eine gewisse „Zirkulation“ entsteht. Mit dem frischen Wasser wird viel Sauerstoff in die tiefen Bereiche gebracht. Der Sauerstoff ist wie ein „Wecker“ der das leben aufweckt bzw. ankurbelt.

Milde Winter, in denen die Wassertemperatur nicht unter oder nur kurzzeitig unter Null Grad fällt, machen es dem Lebensraum Baggersee einfacher zu erwachen. Kommt dazu noch ein sonniges Frühjahr, dann ist auch bald erstes Pflanzenwachstum zu bemerken.

Unser letzter Winter war nicht nur oberhalb der Wasseroberfläche ein langer und harter Winter. Der See war mit einer Eisdicke von bis zu 33cm zugefrohren. Im Bereich bis 3 Meter Tiefe hatten wir noch gerade +1°C und der anomalie des Süßwassers entsprechend +4°C in 13 Meter Tiefe. Die Sichtverhältnisse unter dem Eis sind schier unglaublich… wenn kein Schnee auf dem Eis liegt. Mit Schnee ist es quasi ein Dämmerungstauchgang. Also glasklar ist das Wasser, keine Schwebstoffe und keine Tiere, auch kein Plankton. Alles ruht im Winterschlaf… bis, wie bereits erwähnt das Frühjahr über das land kommt.

LaSee 11 01 2009 Ufer 149.jpg

Im Frühjahr Startet den Lebensraum Baggersee in eine neue Saison. Mit dem einsetzen der höher ziehenden Sonne steigen die Wassertemperaturen langsam an. Wichtiger ist aber die Sonneneinstrahlung selber. Licht ist für viele Lebensformen der wichtigste indikator für den Start der in die neue Saison. Obwohl das Wasser noch „kalt“ ist, bereiten sich die Organismen bereits jetzt darauf vor zu „starten“. Als erste sehen (wenn man genau hinschaut) wir Taucher das Plankton in Form von Wasserflöhen. Polypen sitzen auf exponierter Stelle an den Pflanzen und versuchen mit ihren Tentakeln den Einen oder Anderen „frischen“ Leckerbissen einzufangen. Wer mal mit Unterwasserlampe und einer Lupe getaucht ist, sich die Polypen angesehen hat, dem ist sicherlich aufgefallen das manche über dem „Fuß“ einen richtig runden „Bauch“ haben. Unter dem Binokular konnten (Süßwasserbiologie Seminar) wir beobachten wie die Ausscheidungen des Polypen als „kleine braune Wurst“ ausgestoßen wurden.

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April, Mai ist dann auch die Zeit in der auch das ungeübte Auge sich den See unter Wasser etwas genauer ansehen sollte. Die ersten Süßwasserbiologie Seminare starteten in Mai mit dem ersten Termin. Es folgten dann 2 weitere Termine jeweils ein Termin im Hochsommer und ein weiterer Termin im Herbst.

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LaSee 23 05 2009 (47).jpg

 

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Spätestens Ende Juni, Anfang Juli gibt es die ersten interessanten Farbspiele im See. Graublaue „Nebelschwaden“ liegen in verschiedenen Schichten und Tiefen im See. Taucht man hindurch „eine Etage“ tiefer, dann kann es passieren das darunter wesendlich weniger Licht ankommt. Durch Regen und Grundwassereinströmungen eingetragene Mineralien lassen diese Schichten entstehen. Mit der Durchmischung des Wassers ändert sich die Zusammensetzung fast täglich und die einfallenden Sonne lässt das Wasser von grau über grün bis ins türkis-blaue wechseln.

An einigen Stellen im See liegen Bäume unter Wasser. Nachdem die Bäume frisch gefällt in den See umgelegt wurden, haben Fische wie Barsch, Hecht und Karpfen schnell die neuen Unterschlupfmöglichkeiten für sich entdeckt. Nun scheint die Sonne auch länger und wenn man nachmittags an den Stellen vorbei taucht, dann kommt man sich, je nach Tageszeit und Sonnenschein vor wie in einer „verwunschenen Landschaft“. Diese pastellartigen Farbschattierungen wechseln mit sattem grün und blau tönen. Zwischen den Ästen und den Blättern stehen die Hechte und warten auf Beute. Erstaunlich wie nah man an die Tiere herran kommt um zu fotografieren.

Ab August bis in den Oktober hinen gibt es jeden Tag etwas neues oder anderes zu bewundern. Allerdings nicht immer sofort zu erkennen. Nun muß man als Taucher einfach mit Ruhe nach den kleinen Dingen im See schauen. Seien es Moostierchen Kolonien oder die rote Wassermilbe oder Köcherfliegenlarven… im Prinziep wimmelt es überall voller Leben.

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Hecht
Hecht

Ich erinnere mich immer wieder an ein Jahr an dem die Unterwasserhänge vom Ufer aus bis in 8 Meter tiefe mit einem Pflanzenteppich bewachsen waren der unglaublich vielen Tieren als Lebensraum diente. Viele Tauchgänge habe ich gemacht, an denen ich nicht aus unserer Bucht raus gekommen bin. Rein ins Wasser und schon gab es etwas zu sehen und zu Beobachten. Man ist also ganz nah mit der Taucherbrille und der Kamera an seinem Beobachtungsobjekt da bewegt sich etwas… man bekommt das gerade so noch aus dem Augenwinkel mit. Ok, vorsichtig zur Seite sehen und… direkt neben meinem Kopf liegt ein Hecht im grünen Kraut. Jetzt bloß keine falsche, hecktische Bewegung machen sonst ist das „super Fotomotiv“ verschwunden.

 

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Drehen, focussieren und klick abdrücken… Bild im Kasten… Hecht immer noch da !

Einer der wenigen Hechte Marke „Germany next Top Hechtmodell“… und schnell noch Auge in Auge ein Portait fotografiert… der ist ja immer noch da…? Man könnte meinen es handelt sich um eine Atrappe oder ein totes Tier. Aber die Flossen bewegen sich und (ich ziehe mich etwas zurück) der Hecht folgt mir… Langsam fällt es mir schwer ruhig zu

bleiben und dem Atemreitz tief einzuatmen und lang auszuatmen zu wiederstehen. Ich nutze meine Chance und fotografiere weiter.

Bild Hecht Portrait 

Von rechts oben schiebt sich ein Finimeter in das Blickfeld meine Tauchmaske… 70bar…, ach so, mein Tauchpartner möchte austauchen und zurück zum Einstieg müssen wir auch noch.

Erwähnen möchte ich hier noch, dass die Tauchpartner eines Fotografen wirklich die Ruhe weg haben müssen.  15 Minuten an einer Stelle dem Fotografen zusehen und nicht stören… aber immer zur Stelle falls mal Hilfe gebraucht wird.

Also Danke an alle Tauchpartner die mir diese Sicherheit gegeben haben und die geduldig genug waren, mir Zeit für das Motiv gegeben haben und auch zukünftig wieder mit mir abgetaucht sind.

Frühjahr und Sommer sind die Zeit wo gebrütet wird und/oder wo Laich abgelegt wird der dann in den folgenden Wochen schlüpft.  Von beeindruckender Schönheit sind für mich immer wieder die abgelegten Laichbänder vom Barsch.

 

Bild Laichbänder vom Barsch

Das erstaunliche ist aber der Laich selber. Jedes Ei beherbergt einen kleinen Fisch. Soweit ja noch nichts besonderes… aber bei einem der Bioseminare zu Anfang des Jahres haben wir mal ein paar Eier vom Laichband abgenommen und unter dem Binokular angesehen. Kaum als Ei im Laichband abgelegt, sind die Augen dass am besten entwickelte Körperteil des kleinen Barsch.

 

Barsch Ei unter dem Binokular

Bei den Tieren die an den Ufern und auf dem Wasser Leben und Brüten ist diese Zeit nun die anstrengenste Zeit im Jahr. Müssen die Tiere doch auf die Nachkommen aufpassen und gleichzeitig die hungrigen Mäuler stopfen. Gefahren lauern überall. Greifvögel holen sich schon mal gerne einen jungen unerfahrenen Wasservögel. Aber auch aus der Tiefe kommt schon mal die Gefahr in Form eines Wels der sich auch schom mal eine Ente einverleibt.

Alles natürlich.

Was aber stört sind die ausgelegten Köderleinen mit Senkblei und 3-fach Köderhaken. Wenn kein Fisch beißt dann findet sich schon mal eine ertrunkene Ente an so einem Köderhacken. Schade um die Ente und schade um die Nachkommen die ohne ihr Muttertier verhungern werden. Ein weitere Ärgernis sind die eingebrachten Futtermengen die die Fische anlocken sollen. Großflächig fault das eingebrachte Futter (Beulis, Mais u.a) vor sich hin. Ganze Pflanzenkolonien leiden darunter und sterben ab. Hinzu kommt, dass ein Nährstoffreiches Gewässer irgend wann anfängt zu veralgen.

Bild Algenvorhänge im kleinen Laacher See 

Pflanzen verschwinden hier zu 90%. Ein schmaler Uferbereich bleibt für die Pflanzen als Lebensraum. Im tieferen Wasser schaffen es die Pflanzen nicht. Sehr wenig Licht, Schwefelbakterien und so gut wie kein Sauerstoff ersticken hier jedes Leben.

Jedes Leben?

Ich war erstaunt als ich den Aal zu sehen bekam, wie Er neugierig aus dem tiefen Algenteppich herraus kommt um zu sehen wer da so einen Krach (Blubbern) macht. Ein richtig „dicker Brummer“ kommt da auf uns zu.

Bild vom Aal im kleinen Laacher See

Na ja, auch der schönste Sommer geht vorbei und es folgen die kürzeren Tage mit immer weniger Sonne. Das heist allerdings nicht das unter Wasser der Sommer auch vorbei ist. Man kann grob 8 bis 10 Wochen Zeitverzögerung anrechnen für die Jahreszeiten im See. Im Oktober ist also noch Hochsommer im See. Die Pflanzen sind schön hoch dem Licht entgegen gewachsen und die Sonne zaubert die tollsten Silhuetten und Farbspiele unter Wasser.

Bilder Unterwassersiluetten 

Aber auch diese Jahreszeit geht vorbei und der Herbst kommt mit großen Schritten. Im Gefolge dann der Winter. Mal mehr und Mal weniger hart.

Der Herbst ist unter Wasser durch die sinkenden Temperaturen und die vermehrt schlechten Sichtverhältnisse gekennzeichnet. Die Bewohner des Sees ziehen sich langsam in ihre Winterruheplätze zurück. Das sind vielfach die tieferen Bereiche des Sees. Aber auch die Bereiche an denen sich Pflanzen befinden, finden Tiere ihr Versteck für die Winterruhe.

Ist es lange genug unterhalb des Gefrierpunktes, dann friert auch unser See zu.

Gut für die Bewohner des Gewässers, weil diese Zeit kräftezehrend für sie ist. Im Winter ist das Nahrungsangebot gering und die Tiere haben ihren Stoffwechsel herunter gefahren um Energie zu sparen. Jede Störung der Winterruhe kostet Kraft und kann dazu führen das dass Tier den Winter nicht überlebt.

Abschließend möchte ich allen Tauchern empfehlen, dass in meiner Schilderung angesprochene Süßwasserseminar und auch ein Planktonseminar zu besuchen. Das gelente und viele Tipps helfen die Zusammenhänge im Süßwassersee zu verstehen und das Auge zu schärfen für die schönen „kleinen“ Dinge die das Süßwasser bietet.

Detlef Brühl

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